Web 2.0 in der Bildung

Ein weiterer Seminarblogs des Forum Politische Bildung Blog

Was ist Web 2.0?

YouTube, Facebook, die VZ- und andere Soziale Netzwerke, Twitter, Flickr, Geocaching … Die wichtigsten Websites des Internets sind erst wenige Jahre alt. Zusammen mit unzählbaren Blogs und Podcasts werden sie unter dem Oberbegriff Web 2.0 oder Social Media gefasst. Diese Schlagworte beschreiben die grundsätzliche Gegenüberstellung zu einem „Web 1.0“, bei dem noch klar war: Auf der einen Seite gibt es einige Produzenten, die Inhalte in die Welt senden, und auf der anderen Seite sitzen die empfangenden Konsumentenmassen. Noch stärker wird diese Abgrenzung, wenn man Web 2.0 auch traditionellen Medien wie Zeitung oder Fernsehen gegenüber stellt.

Web 1.0 / traditionelle Medien Web 2.0 / Social Media
Inhalte kommen aus einer Zentrale, von einer Redaktion oder einem Autor. Inhalte kommen von den Nutzern selber, von einer Community.
Der Nutzer ist Konsument: Ich schaue ins Internet (bzw. in die Zeitung oder in den Fernseher). Der Nutzer ist Konsument und Produzent gleichzeitig (Prosument): Ich veröffentliche Inhalte im Netz.
Hohe Hürden für das Publizieren: Für das Veröffentlichen brauche ich spezielle Kompetenzen oder Spezialisten, eine technische Infrastruktur und Geld. Niedrige Hürden für das Publizieren: Für das Veröffentlichen brauche ich kaum Geld, kaum spezielles Wissen, keine eigene Infrastruktur.
Veröffentlichung und Kommunikation verlaufen eher langsam. Veröffentlichung und Kommunikation verlaufen sehr schnell. Für Inhalte bedeutet das mehr Aktualität und Flexibilität. Und: mehr Masse.
Inhalte sind in Ordnungen vorsortiert. Es gibt z.B. Rubriken, Kategorien oder sogar Linearität mit Anfang und Ende. Inhalte stehen in Chaos nebeneinander. Ordnung wird z.B. über Schlagworte oder Beziehungen geschaffen. Es gibt keine Linearität, kein Anfang / Ende.
Inhalte werden für mich vorausgewählt. Der Filter, was ich rezipiere, liegt v.a. beim Sender. Ich muss als Empfänger selber den Filter definieren, was ich rezipiere und was nicht.
Push-Medium: Der Sender bestimmt, wann und wie die Kommunikation startet. Pull-Medium: Der Empfänger bestimmt, wann und wie die Kommunikation startet.
Die Vermittlung von Information steht im Vordergrund. Die Kommunikation ist eine Einbahnstraße. Austausch und Dialog stehen im Vordergrund. Die Kommunikation ist eine große Konversation.
Wissen ist Macht. Geschäftsmodelle beruhen auf der Verknappung von Inhalten. Wer viel Wissen weitergibt, schmälert die eigene Macht. Teilen ist Macht. Social Media funktioniert, wenn viele Menschen viele Inhalte miteinander teilen. Share ist der wichtigste Begriff des Web 2.0.
Isolierung: Medien oder einzelne Angebote stehen eher unverbunden nebeneinander. Verknüpfung und Integration: Dienste und Inhalte bieten Verknüpfingen und Schnittstellen untereinander.
Monomedialität: Eine Veröffentlichung hat festgelegte, beschränkte mediale Kanäle zur Verfügung. Multimedialität: Eine Veröffentlichung kann verschiedenste Kanäle kombinieren.
Klare und individuelle Autorenschaft: Es ist eindeutig, wer hinter welchem Inhalt steht. Kollektive Autorenschaft: Inhalte entstehen aus Teilung, Remixen und Kollaboration.
Das Internet als ein Medium: ein „virtueller Raum“, der neben dem „echten Leben“ existiert. Das Internet als eine Plattform und als ein Lebensraum.

Wenn man einen weiten Begriff von Web 2.0 im Sinne von Plattformen ohne „eigene“ Inhalte zugrundelegt, lassen sich auch die Wikipedia, Google oder ebay dazu zählen. Auch die klassischen „Web 1.0“-Websites haben nachgezogen und bieten Empfehlungs-, Kommentar-, Bewertungs- oder Freundefunktionen, um ein bißchen Social Media auch auf ihre Websites zu bringen.

Das Erfolgsrezept lautet: Websites als Plattformen, die von ihrer community mit Leben gefüllt werden. Dabei geht es nicht nur um das Senden von Inhalten, sondern immer auch um Austausch. Alle Plattformen leben von der Kommunikation der Nutzer untereinander. Im Web 2.0 eröffnen sich neue Möglichkeiten des Teilens und der Zusammenarbeit. Lokal oder über Grenzen hinweg, ad hoc oder kontinuierlich, im privaten, im beruflichen oder politischen Bereich. Teilen und Vernetzung heißen die Schlüsselbegriffe der Web 2.0-Welt.

(Auszug aus: Jöran Muuß-Merholz: Das Ende der Institutionen wie wir sie kannten … Das Internet als Partizipationsraum einer vernetzten Gesellschaft. Erschienen (auf Papier) in der Zeitschrift EB – Erwachsenenbildung 04/2010, die sich dem Schwerpunkthema „Netzwerke“ widmet.)


Categorised as: Hintergrund


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.