Ein Beispiel für eine schlechte Statistik

Die unten stehende Grafik zeigt die Wahlpräferenzen politischer Journalisten:

Auf den ersten Blick ist das Bild deutlich: Politischer Journalismus hat eine klare Tendenz zu Grün-Rot. Wie soll bei derartigen Vorlieben eine ausgewogene Berichterstattung möglich sein? Lügenpresse!

Die Journalistin und Bloggerin Susanne Günther hat als @schillipaeppa auf Twitter diese scheinbar klare Aussage etwas analysiert:

Als Quelle wird das Datenportal@StatistaCharts angegeben. Dort steht als Quelle „Prof. Dr. Magreth Lünenborg“. Die Zahlen stammen aus dieser Umfrage von 2010:dfjv.de:8181/documents/1018… Die Daten wurden Ende 2009 (!) erhoben. Doch der eigentliche Punkt ist, dass ein Balken fehlt. So sehen die Original-Zahlen aus: Die größte Gruppe hat angegeben, gar keine Parteipräferenz zu haben. Dass diese Gruppe nicht in die Darstellung einbezogen wurde, wird in dem kritisierten Diagramm nur im Kleingedruckten erwähnt. Sorry, wer liest das Kleingedruckte?

Auch der Einwand „Aber die Nichtwähler werden doch auch nicht bei Wahlergebnissen angegeben“ zieht hier nicht. „Nichtwahl“ ist keine Option auf einem Stimmzettel. „neutral“ (= keine Präferenz) war bei dieser Umfrage aber eine Option. Wenn ich Umfrageergebnisse korrekt wiedergeben will, muss ich alle abgefragten Optionen erwähnen, sonst ergibt sich ein verzerrtes Bild. Übrigens: Das Branding in dem Diagramm „politonomics.de“ gibt es gar nicht mehr: Der Link führt zu einem seltsamen Mode-Webshop ohne Impressum. Fazit: Nicht einfach jeden Blödsinn teilen, nur weil einem die Grundaussage gerade passt.

 

Veröffentlicht von jochim

Chaos Computer Club, Cryptoparty, Datenschutz

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