Des Bottes neue Kleider

Liest man die üblichen Medienberichte, gelangt man schnell zum Eindruck, es gäbe kaum etwas Einfacheres, als sich mal eben einen Social Bot zu bauen. Es ist in der Tat auch kein Hexenwerk, dennoch ist die Realität etwas ernüchternd.

Schwierigkeiten, bei Twitter einen Bot zu bauen:

  • Man braucht einen Server, der ständig im Netz ist.
  • Für neue Accounts muss man Telefonnummern hinterlegen. Gerade, wenn man seine Herkunft verschleiern will, wird es hier schwierig. Zwar gibt es Dienste, bei denen man sich zum Registrieren Wegwerftelefonnummern für ein paar Minuten zuweisen lassen kann, aber diese Nummern sind üblicherweise schon bei Twitter bekannt und werden nicht akzeptiert.
  • Twitter erkennt verdächtig hohe Tweetfrequenzen und sperrt Konten. Mitunter kann erst ein Telefonat die Sperre wieder lösen.

Anzeichen, dass man bei Twitter auf einen Bot gestoßen ist:

  • relativ junges Datum
  • für die kurze Existenz sehr viele Follower, die ebenfalls erst vor kurzer Zeit angelegt wurden.
  • Die ganzen Follower-Bots folgen in erster Linie sich gegenseitig. Sie wirken in ihrer Masse recht einförmig. Natürlich gewachsene Followerlisten unterscheiden sich deutlich und sind diverser.
  • kein Profilbild oder ein Fotomodel
  • sehr einförmige, sich wiederholende Tweets, die häufig auf die gleiche Adresse verlinken
  • reagieren oft auch ein ganz bestimmtes Stichwort, auch wenn der restliche Kontext nicht stimmt (zum Beispiel der Prost-Bot)

Ab und zu braucht man auch gar keinen Bot, weil Menschen viel billiger sind, beispielsweise beim Lösen von Captchas.

Veröffentlicht von jochim

Chaos Computer Club, Cryptoparty, Datenschutz

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