Identitätsmanagement und politische Interaktion in Digitalität

In Zeiten digital-analoger Vernetzungen (Digitalität) wird das Verständnis von Öffentlichkeit redefiniert. In öffentlichen Diskursen herrscht ein sich steitg verstärkender “Kampf” um Aufmerksamkeit und Deutungshoheit – am Beispiel aktueller Kampagnen zur Europawahl wird dies verdeutlicht.

Veröffentlicht von jochim

Chaos Computer Club, Cryptoparty, Datenschutz

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2 Kommentare

  1. Der Begriff „digital-analoge Vernetzung“ ist absolut nicht hilfreich, und auch nicht wahr. Die Vernetzung findet digital statt, nicht analog. Die Natur ist analog, nicht digital. Siehe Schallplatte in der Voyager- Raumsonde. Ich weiß nicht, welchen Sinn es hat, solche unscharfen Begriffe zu kreieren. Man weiß dann nicht mehr, wovon man eigentlich spricht.

    1. Zwar habe ich den Vortrag nicht gehalten und bin deswegen nur eingeschränkt kompetent, mich darüber zu äußern, aber ich verstehe unter „digital-analoger Vernetzung“ https://de.wikipedia.org/wiki/Digitalit%C3%A4t und http://xn--digitalitt-und-identitt-37bn.de/?page_id=447 zufolge geht es bei diesem Begriff darum eine noch in analogen Begriffen denkende Welt und eine digitale zusammenzuführen. Als Techniker bin ich vorsichtig, was die geisteswissenschaftliche Komponente dieses Begriffs angeht, aber technisch gibt es meiner Ansicht nach viele interessante Aspekte. In meinen Augen geht es schon damit los, dass wir die Begriffe „analog“ und „digital“ nicht mehr sinnvoll in ihrer urprünglichen Form nutzen können, zumindest nicht dann, wenn wir uns über etwas Anderes als Signalverarbeitung unterhalten. Unter https://ohmyroot.wordpress.com/2017/11/26/was-ist-heute-noch-analog/ habe ich etwas über die Schwierigkeiten geschrieben, eine Zeitung wie die „Süddeutsche“ als „analog“ zu bezeichnen, wenn das Einzige, was an ihr noch wirklich „analog“ ist, in der auf Papier gedruckten Ausgabe besteht, während die restliche Produktion einschließlich der WWW-Seiten und der PDF-Version digitalisiert ist. Gleichzeitig bezeichnen wir den Live-Stream eines Fernsehsenders (der natürlich auch nur noch digital verarbeitet und speichert) als „digital“, weil wir ihn auf dem Laptop statt auf dem Fernseher betrachten.

      Guido Brombach weist in einem seiner Vorträge auf ein weiteres Phänomen hin: Die analogen Metaphern, mit denen wir uns digitale Medien zu beschreiben versuchen, funktionieren zwar einigermaßen, allerdings verführen sie dazu, den wahren Charakter des Beschriebenen zu übersehen. So verwenden wir beispielsweise in vielen Anwendungen einen Briefumschlag, wenn wir eine E-Mail meinen. Das verführt zur Annahme, eine Mail sei ähnlich vor Blicken Unbefugter geschützt wie ein auf Papier geschriebener Brief. Wir legen einen „Ordner“ an und haben dabei das Bild einer überschaubaren Struktur vor Augen, in der sich jedes Dokument immer nur an genau einem Ort befindet. Verlinkungen, Verschlagwortung und verschiedene Sichten auf die gleiche Ordnerstruktur geraten dabei leicht aus dem Blickfeld.

      Ungeachtet dessen, dass zumindest in der Naturwissenschaft zwar Aussagen, keinesfalls aber Begriffe „wahr“ oder „falsch“ sein können, halte ich es also durchaus für sinnvoll, über das Zusammenwachsen der analogen mit der Digitalen Welt nachzudenken.

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