Alternativen zu Whatsapp

Im Laufe des Jahres haben neben den beiden Amtskirchen auch verschiedene öffentliche Einrichtungen ihren Angestellten die dienstliche Nutzung von Whatsapp mit Hinweis auf die DSGVO in Verbindung mit dem BDSG oder dem DSG-EKD verboten. Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist die Frage, welche Alternativen es zu Whatsapp gibt, nicht nur für die üblichen Datenschutz- und FOSS-Querulantinnen, sondern auch für viele Standardnutzerinnen von Belang. Leider ist die Antwort nicht eindeutig. Wie immer, wenn es darum geht, ein bestehendes Monopol aufzubrechen, in dem es neben allen Nachteilen wenigstens klare Verhältnisse gibt, sieht die Alternative, aus einer nahezu unbegrenzten Zahl verschiedener Möglichkeiten auszuwählen, die alle ihre Vor- und Nachteile haben, wenig verlockend aus, zumal natürlich das große Plus Whatsapps, sofort mit Milliarden Menschen in Kontakt treten zu können, bei keinem anderen Dienst auch nur annähernd geboten wird.

Diese Unübersichtlichkeit führt leider auch dazu, dass bei der Auswahl einer Whatsapp-Alternative keine eindeutige Empfehlung gegeben werden kann. Im Netz wimmelt es von Artikeln, welche die verschiedenen Aspekte berücksichtigen, und im Kommentarapparat tummeln sich immer die gleichen drei Schnappatmer, von denen der erste herumjammert, warum sein persönlicher Lieblingsmessenger mit der sagenhaften Nutzerzahl von 3 (der Programmierer und dessen Katze mit eingerechnet) nicht ausreichend gewürdigt wird, der zweite das Hohelied des IRC singt, der seit dem frühen Pleistozän angeblich schon alles hat, was diese funktionsüberladenen Klicki-Bunti-Messenger biten und der dritte die Gelegenheit am Schopf packt, eine Pauschalabrechnung mit dem Sitte und Moral zerstörenden Internet in die Welt zu posaunen, er selbst hielte jede technologische Fortentwicklung seit Übertragung des Postgeneralats an den Fürsten zu Thurn und Taxis sowieso für eitlen Tand. Die folgende Liste versucht deswegen nicht einmal vollständig zu sein und verweist im Übrigen auf diverse im Netz verfügbare Aufstellungen.

  • Signal: quelloffen, lädt Telefonnummern aus dem Adressbuch auf die Server des Betreibers, allerdings in gehashter Form. Der Zugriff aufs Adressbuch kann allerdings ohne schwere Beeinträchtigungen unterbunden werden.
  • Threema: nicht quelloffen, aber auditiert. Die Installation kostet einmalig einen geringen Betrag. Die Herstellerfirma und deren Server befinden sich in der Schweiz. Damit genügt der Messenger den erhöhten Anforderungen der DSGVO
  • SimsMe: nicht quelloffen. Die Herstellerfirma und deren Server befinden sich in Deutschland. Damit genügt der Messenger den erhöhten Anforderungen der DSGVO.
  • Conversations (Android), Chat Secure (iOS): Signal, Threema, Simse, Telegram, Whatsapp und die meisten anderen mobilen Messenger können nur untereinander kommunizieren. Beschließt die Herstellerfirma, ihre Infrastruktur abzuschalten, bricht damit der komplette Messenger zusammen. Anders ist es bei rein auf dem Chat-Protokoll XMPP (früher als „Jabber“ bekannt) basierenden Messenger. Auch hier könnte der Betreiber eines XMPP-Servers beschließen, seinen eigenen Server stillzulegen. Im Ergebnis müssten sich die dort registrierten Nutzerinnen neue Konten bei einem anderen Server zulegen, könnten den Dienst an sich aber weiter nutzen. Zum Vergleich: Wenn GMX beschlösse, seinen Maildienst einzustellen, verlören zwar alle GMX-Kundinnen ihren Zugang, könnten sich aber bei Posteo einfach ein neues Konto zulegen und weiter Mails schreiben. Sie müssten nur in ihrem Mailclient (Thunderbird, Outlook) die neuen Zugangsdaten eintragen und könnten arbeiten wie bisher. Für mobiles Messaging ist es sinnvoll, Clients zu nehmen, welche die OMEMO-Verschlüsselung unterstützen, die den Besonderheiten häufig unterbrochener Kommunikation Rechnung trägt. Es gibt mehrere Messenger, die das können. Nachteil dieser Methode ist die etwas umständlichere Installation (die entweder ein vorhandenes Jabber-Konto erwartet oder ein neues anzulegen verlangt) und der sehr geringe Verbreitungsgrad.
  • Telegram: Quellcode der Clients liegt offen. Die Codequalität ist unter Experten umstritten. Die Firma und deren Server befinden sich in Russland. Die Standard-Verschlüsselung findet nur auf dem Transportweg statt, kann also auf den Servern mitgelesen werden. Nur der „private Chat“, den man gezielt anwählen muss, bietet Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
  • Wire
  • Briar: sehr interessantes technisches Konzept, da der Messenger ohne zentrale Infrastruktur auskommt und sich auch über Bluetooth und WLAN verbinden kann
  • Riot: setzt auf dem Matrix-Protokoll auf
  • Wickr: proprietär, steht aber laut EFF im Ruf, die Privatsphäre zu schützen
  • Tutanota: quelloffener Krypto-Maildienst
  • Rocketchat: Open Source mit Teamfunktionen
  • Goldbug: quelloffen, aber nur für den Desktop vorhanden
  • Tox: quelloffen
  • (Pond: anonymer Messenger, der allerdings seit Jahren nicht mehr gepflegt wird)

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Autor: jochim

Chaos Computer Club, Cryptoparty, Datenschutz

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