#ecco12 – EduCamp: Learn to fly!!!

Am vergangenen Wochenende war es endlich soweit, das EduCamp startete in seine neunte Runde und diesmal in Köln in der Kaiserin Augusta Schule. Da Guido zu den Organisatoren gehörte, waren Carina und ich von Anfang an in die Planung involviert. Wir waren für das Layout der Namensschilder, die Beschilderung in der Schule, die Materialliste und die Teilnehmerlisten verantwortlich.

EduHack-Day – Bildung aus der Hosentasche

Bevor der EduHack-Day am Freitag richtig losgehen konnte, traf sich das Orga-Team schon um 13.00 Uhr in der Schule, um das nötige Equipment aufzubauen, die Beschilderung sichtbar aufzuhängen und die letzten Vorbereitungen zu treffen. Pünktlich um 15.00 Uhr eröffneten wir dann die Anmeldung. Jeder Teilnehmer musste sich in eine Liste eintragen, ein Namensschild ausfüllen und aus der Pappe, die da so unscheinbar in der Ecke lag, einen Sitzhocker bauen. Das war nämlich das Besondere an diesem EduCamp. Die Räume waren leer, die Papphocker ebenfalls und die Teilnehmer konnten sich ihre Sitzmöglichkeit individuell gestalten und die kommenden Sessions mit Wissen fühlen.

Elli

Das Wetter war auf der Seite der EduHacker, es bildeten sich nach der Begrüßung und Einführung mehrere Kleingruppen, die auf dem Schulhof auf den Papphockern in der Sonne saßen und sich Gedanken über kleine Produkte für Bildungsprozesse machten. Hacken bedeute in diesem Kontext, dass  mit gegebenen Systemen kreativ umgegangen wird, um etwas Neues für die Bildung zu erstellen. Der Abend endete gemütlich bei Pizza und Bier und einem kleinen Konzert von Elli.

EduCamp: Samstag

Am Samstag ging das EduCamp dann so richtig los, nach der Anmeldung versammelten sich ca. 180 Interessierte wie Lehrer, Sozialpädagogen , Referenten, Bildungswissenschaftler und angehende Erziehungswissenschaftler und stellten sich jeweils mit Namen und ihren drei Tags vor, um dann mit der Sessionplanung zu beginnen. Die Sessionmatrix füllte sich sehr schnell mit interessanten Themen zu Bildung und Medien. Wir entschieden uns zuerst die Session „Bring your own device vs. iPad (Standard) Klassen“  unserer Dozenten Mandy Rohs und Richard Heinen zu besuchen.

CC by adesigna - sa 3.0

In der Session ging es um die Frage, ob es besser sei, wenn Schulen eine standardisierte Ausstattung  bieten oder ob man in Klassen besser arbeiten könne, wenn die Schüler ihre eigenen Geräte benutzen würden. Es entstanden Fragen die in einer regen Diskussion mündeten. Was machen Schüler und Eltern aus einkommensschwachen Haushalten? Ist eine Standardisierung nötig oder eher problematisch? Wer ist dabei rechtlich für die Nutzung des Internets verantwortlich? Die meisten Lehrer äußerten die Angst, dass sie die Kontrolle über ihre Schüler und den Unterricht verlieren würden, wenn man „BYOD“ einführen würde, da diese eventuell nur noch bei facebook und Co. online wären.  Andere wiederum appellierten, ihren Schülern mehr Vertrauen entgegenzubringen und diese den Unterricht mehr mitgestalten zu lassen. Die meisten waren sich jedoch einig, dass wir uns in einem Wandel befinden und jeder von uns dazu etwas bei steuern kann, denn Medienkompetenz muss an andere weitergegeben werden.

Die nächste Session war eine typische für das EduCamp, denn jeder kann seine Idee vorstellen, es müssen sich nur genügend „Camper“  dafür begeistern. Und so kam es zum Frisbee spielen in der Session: „Raus und Bewegen auf dem Schulhof“.

CC by adesigna - sa 3.0

Nach dieser spaßigen Runde ging es dann weiter bei uns mit dem Thema „Identität 2.0 oder die eine Identität?“. Wie geht man mit seinen „Identitäten“ im Netz um, vermischt man diese oder gibt es eine klare Trennung von privat vs. geschäftlich? Wie schafft man es unterschiedliche Identitäten voneinander zu trennen und dabei deren Koexistenz aufrechtzuerhalten? Die Meinungen gingen auch in dieser Session auseinander, einige äußerten, dass man seine Rollen online und offline nicht mehr trennen müsse, es sei nur wichtig dabei zu unterscheiden, was ins Netz gehöre und was nicht. Andere haben in allen sozialen Netzwerken zwei Accounts. Beispielsweise wollen Lehrer nicht, dass Schüler privates von ihnen mit verfolgen können.

Im Grunde sollte jeder seinen eigenen Weg und Umgang mit den verschiedenen „Identitäten“ finden. In der Rolle des Pädagogen wird es jedoch wichtig den Heranwachsenden das Verständnis von Identität zu vermitteln und zu erfahren, ob sie ausreichend über mögliche Konsequenzen reflektieren.

Nach Vorstellung der EduHack-Projekte endete der Tag ebenfalls mit Pizza, viel Spaß beim „Google-Quiz“ (made by Jöran) und einem geselligen Kneipenbesuch.

EduCamp: Sonntag

CC by schaumburg - sa 3.0

Am Sonntag war es dann endlich soweit, Carina und ich wollten unsere eigene Session präsentieren. Aufgeregt standen wir dann vor den versammelten Teilnehmern und Carina stellte unsere Idee vor. Wir waren direkt um 11 Uhr dran und so langsam füllte sich auch unser Raum zu dem Thema: „Wie kann man digitale Welten analog beschreibbar machen?“.  Zu dieser Idee kamen wir durch unser Bildungsspiel, welches wir gemeinsam mit Guido im Rahmen eines Projektes in der Uni entwickelt haben und weiterhin daran arbeiten möchten.

Wie kann man die Phänomene und Dynamiken des Web 2.0 analog verdeutlichen und einer Zielgruppe näher bringen, die sehr viel Skepsis dem Internet entgegen bringt? Unser Ziel war es, in der Session über dieses Problem zu diskutieren und Erfahrungen und Meinungen Anderer zu sammeln, jedoch waren die Teilnehmer so an dem Spiel interessiert, dass wir mehr als die Hälfte der Zeit über die Regeln, den Ablauf und die Durchführung des Spiels gesprochen haben. Wir waren zufrieden, dass man sich für unser Spiel begeistert und wir einige Kontakte knüpfen konnten, die es unbedingt in ihrem Kontext testen möchten.

Im Anschluss wurden wir von Ruth zu unserer eigenen Bildungsbiographie interviewt, sie schreibt in diesem Bereich ihre Bachelorarbeit. Wir sollten ihr nacheinander ca. 30 min lang erzählen, wie wir rückblickend unseren Bildungsweg empfanden. Keine so einfache Sache, wenn die Schulzeit etwas länger her ist und man schon einige Dinge verdrängt hat.

CC BY schaumburg - SA 3.0

Und dann war die Zeit gekommen und das EduCamp neigte sich langsam dem Ende zu. Alle haben beim Aufräumen und Aufbau der Tische geholfen. Bevor alle Papphocker wieder auseinandergebaut wurden, hatte jemand die Idee sie aufeinander zu stellen und zu durchbrechen. Dies könnte symbolisch für eine Bildungsmauer stehen, die durch die EduCamper eingerissen wurde. Es ist Zeit für neue Ideen und Umbrüche in der Bildung! –> „Mauerfall beim EduCamp“

Fazit – Es war ein gelungenes EduCamp. Wie immer war die Stimmung locker und man fühlte sich wohl. Kompetente Beiträge und innovative Ideen füllten das Wochenende. Man traf alte Bekannte und knüpfte neue Kontakte.

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4 Antworten zu #ecco12 – EduCamp: Learn to fly!!!

  1. gibro sagt:

    Ergänzt ihr euren Artikel noch im Mixxt unter Berichterstattung. Ist links in der Navi auf der Startseite zu finden

  2. olga sagt:

    schon erledigt 😉

  3. wow! lesen und viel viel lust auf eine teilnahme bei kommenden educamps bekommen! die beschäftigung mit der frage der online-identität finde ich beachtlich/hochspannend/höchstinteressant! ich kenne die diskussion aus einem ganz anderen bezugsfeld, nämlich – grob gesagt -, dem arbeitsrechtlichen umgang mit fragen der nutzung von social media-plattformen bzw. des internet allgemein. allerdings habe ist mir in diesem zusammenhang bisher noch nicht/kaum die frage der identität untergekommen. das finde ich sehr instruktiv, weil es die perspektive verändert, nämlich stärker in richtung einer klärung der nutzerInnenposition. das ist ja schließlich auch jene, auf die es meiner auffassung nach in allen details beim aufbau der vielbeschworenen medienkompetenz ankommt. mit „viel beschworen“ will ich andeuten, dass aufklärung und bewusstseinsbildung in richtung medienkompetenz weitläufig der weisheit letzter schluss für – meist netz-/social media-averse und -skeptische – arbeitsrechtsjuristInnen sein dürfte (so meine letzten beobachtungen, ausnahmen könnten auch hier die regel bestätigen). meist ist damit die vorstellung verbunden, dass endlich die risiken einer breit angelegten, offenen onlineidentität eingesehen und die onlineöffentlichkeit dann hoffentlich restriktiver angelegt oder nur „vernünftig“ genutzt oder gar wieder gemieden würde. abgesehen davon, dass ich gegenüber den ausschließlich positiven effekten solcher sich eventuell, aber wenn, dann sicher nur teilweise, erfüllenden hoffnungen skeptisch bin, bleibt in der regel vollkommen offen, wie bildung zu medienkompetenz aussehen sollte. die häufigste antwort ist sozusagen anbieterorientiert: man müsse warntafeln aufstellen und riskenkataloge unter die leute bringen.

    für weiterführende tipps zur beschäftigung mit fragen der entwicklung von und der umgangs mit onlineidentität(en) wäre ich sehr dankbar!

    und außerdem machen mich die pappstühle extrem neugierig! gibt’s fotos?

  4. Mandy sagt:

    Hallo ihr zwei, vielen Dank für eure Zusammenfassung. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie der Educamp-Funke auf Studierende überspringt, das sollten wir öfter machen 😉

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