„Google“, „Prezi“ und Co. Alternativen zu „PowerPoint“

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Jedem Europäer der einmal eine Schule, Universität oder eine andere Bildungseinrichtung besucht hat dürfte das Programm „PowerPoint“ von „Microsoft“ ein Begriff sein, die meisten dürften sogar mit den Grundfunktionen vertraut sein weil sie selber schon einmal Präsentationen erstellt haben. Die Relevanz und Bedeutung von „PowerPoint“ in der technologisierten Welt ist sicherlich enorm und diesem Programm und ihren Entwicklern ist es mit zu verdanken, dass die damals gängige Präsentationsform über Tageslichtprojektoren sukzessive abgelöst wurde (wenn gleich sogar heute noch Overheadprojektoren in vielen deutschen Klassen- und Universitätszimmern zu finden sind).
Wer sich eine wenig ausführlicher mit der Geschichte und der Bedeutung von „MS PowerPoint“ beschäftigen möchte, kann hier einiges Interessantes erfahren.

Nun ist allerdings diese kleine „technische Revolution“ bereits über 20 Jahre her und „PowerPoint“ hat viele Veränderungen, Verbesserungen und technische Komponenten hinzugewonnen, die dem User zu einer gelungenen Präsentation verhelfen können. Dennoch herrscht subjektiv der Eindruck, dass „PowerPoint“ als Präsentationswerkzeug eine Alleinstellungsposition inne hat und nahezu jede Präsentation in formellen Lernumgebungen „PowerPoint“ zur Unterstützung benutzt. Gestützt wird diese These durch einige Studien, welche teilweise sogar davon ausgehen, dass bis zu 95% aller erstellten Präsentationen durch „PowerPoint“ unterstützt werden.

Nun stellt sich die Frage: Gibt es nicht Alternativen, welche für spezielle Anliegen besser geeignet sein könnten?

Um es vorweg zu nehmen: Ja, die gibt es. Letztlich hängt es aber vom User und seinen Vorstellungen bzw. Bedürfnissen ab, welche Software für ihn die richtige ist.

Im nachfolgenden möchte ich einige (Freeware-)Programme mit dem konventionellen „PowerPoint“ vergleichen und zeigen wo Vorteile, aber auch Nachteile gegenüber „PowerPoint“ liegen. Bewusst verzichte ich auf einen Vergleich mit Programmen wie „Impress“ von der „OpenOffice“ betreibenden „Apache Software Foundation“ oder „Presentation Free 2013“ von „Kingsoft“, da diese in ihrer Funktions- und Darstellungsweise „PowerPoint“ sehr ähnlich sind.

Im Internet finden sich ganze Abhandlungen über „PowerPoint“, darunter viele, die sich dem Programm gegenüber kritisch äußern (bspw. hier). Relevant für diesen Blogeintrag sollen allerdings Alternativen sein, die Problemlösungen oder Vereinfachungen für den alltäglichen Bedarf von Schülern oder Studenten bieten können.

Problem: Mehrere Schüler/Studenten können nicht gleichzeitig an einer Präsentation arbeiten.

Bei „PowerPoint“ ist es der Fall, dass es nicht möglich ist simultan an der gleichen Präsentation zu arbeiten, weshalb es logistisch durchaus schwierig ist, bspw. für ein gemeinsames Projekt, mit mehren Personen eine Präsentation zu erstellen.

Alternative: „Google Präsentationen“

Google Präsentation

Google Drive“ ist eine kostenlose Cloud, die viele Office-Funktionen beinhaltet und es Usern bspw. ermöglicht gleichzeitig an einem Dokument, einer Tabelle oder einer Zeichnung zu arbeiten. Eine weitere Funktion, die „Google“ bietet ist es gemeinsame Präsentationen erstellen  zu können. Jede User benötigt dazu lediglich einen (kostenfreien) „Google“ Account. Der Ersteller einer Präsentation lädt die Personen, welche an der Präsentationen mitarbeiten sollen via E-Mail ein oder teilt den Link zur Präsentation über andere Kommunikationswege mit ihnen. Akzeptieren sie die Enladung kann eine gemeinsame Präsentation entwickelt werden.

Das Interface von „Google Präsentationen“ ähnelt dem von „PowerPoint“ sehr und auch die Funktionsweise ist sehr ähnlich. Für alle Personen die mit „PowerPoint“ vertraut sind, sollte es also kein Problem sein „Google Präsentation“ zu bedienen. Ist die Präsentation abgeschlossen, so lässt sie sich entweder Online abrufen oder in einem gewünschten Format (unter anderm auch .pptx) speichern.

Fairerweise soll hier erwähnt werden, dass „Microsoft“ einen ähnlichen Service für „PowerPoint“ bietet. Unter dem Namen „PowerPoint 365“ kann sich der User ebenfalls ein OfficePaket zulegen, welches online läuft und mit dem verschiedene Personen gleichzeitig an einer Präsentation arbeiten können, jedoch kostet dieses Programm 10€ monatlich oder 99€ jährlich und muss von jedem User besessen werden. In Form und Funktion hat es wenig signifikante Unterschiede zu der kostenpflichtigen „Google“ Version. Zusätzlicher Kritikpunkt ist, dass „PowerPoint 365“ lediglich für Windows- (ab Windows7) und Macintoshbetreibssystemen (ab Mac OS X 10.6) kompatibel ist und eine Nutzung mit Linux nicht möglich ist.

Problem: Präsentationen in Schulen und Universitäten wirken sehr eintönig und der Zuhörer verliert schnell das Interesse

Vielen Schülern und Studenten sind Schulfächer oder Kurse bekannt bei dem der Lehrer/Dozent in jeder Unterichts- oder Kurseinheit eine „PowerPoint“ Präsentation hält, welche immer nach dem gleichen Schema verläuft. Auch ist es durchaus noch Standard, dass komplette Seminare auf studentischen Referaten basieren und diese im Regelfall durch „PowerPoint“ unterstützt und/oder gestaltet werden. Wie lassen sich Präsentationen anschaulicher gestalten und den Zuhörer stärker an die Präsentation binden?

Alternative: „Prezi“

Prezi

Längst ist „Prezi“ für viele Menschen die beruflich oder privat häufig mit Präsentationen zu tun haben kein Geheimtipp mehr, jedoch ist der „breiten Öffentlichkeit“ dieses Präsentationsprogramm meistens nicht bekannt. Ähnlich wie das „Google Präsentationsprogramm“ nutzt auch „Prezi“ das Cloud Prinzip, was wiederum die Arbeit an einer Präsentation in einer Gruppe maßgeblich erleichtert. „Prezi“ ist flashbasiert und sehr intuitiv, sodass es auch ungeübten Usern nach kurzer Einführungszeit relativ leicht gelingen kann, eine, ihren Bedürfnissen entsprechende Präsentation, zu erstellen.

Ein großer Unterschied zu „PowerPoint“ ist die Benutzeroberfläche. Während „PowerPoint“ für Präsentationen das Prinzip von „Folien“ nutzt (was von der Geisteshaltung durchaus noch an Zeiten der Overheadprojektoren erinnert), welche nacheinander abgespielt werden, nutzt „Prezi“ eine Art interaktives unendlich großes Whiteboard (sozusagen eine Art beliebig großes digitales Blatt Papier, in dem sich der User frei bewegen kann und an beliebigen Stellen Punkte, Verbindungen u.ä. setzen kann). Während der eigentlichen Präsentation kann der User sich dann beliebig auf diesem Whiteboard bewegen. Die Navigation kann sowohl per Maus oder per Tastatur geschehen und ist sinnvoll, sowie einfach zu verstehen. Zur besseren Veransachaulichung (und vielleicht um selber einmal auszuprobieren wie das Programm funktioniert) ist hier der Link zu der Zwischenpräsentation unseres Medienprojektes, welche mit „Prezi“ angefertigt wurde.

Durch die vielen verschiedenen Designvorlagen und Navigationsmöglichkeiten ist „Prezi“ eine gute Abwechslung zu „PowerPoint“ Präsentationen, welche den Zuhörer durch die neue Art einer Präsentation sicherlich erst einmal mehr fesselt. Fraglich ist jedoch, ob nicht, ähnlich wie bei „PowerPoint“, nach einer gewissen Zeit der positive Lerneffekt des neuen Mediums nachlässt.

Die Basisversion von „Prezi“ ist kostenlos und kann von jedem genutzt werden. Ein 100mb Speicher ist in dieser Version inklusive. Ein großer Nachteil der Gratisversion ist, dass alle Präsentationen öffentlich und „ungeschützt“ abrufbar sind und somit jeder auf sie zugreifen kann. Mag dies bei einem einfachen Referat für den Schulunterricht nicht weiter tragisch sein, stellt die fehlende Möglichkeit der Erstellung privater Präsentationen ein Problem dar, wenn bspw. firmeninterne Prozesse in einer Präsentation beleuchtet werden. Die „Enjoy“ Version von „Prezi“, welche es u.A. ermöglicht nicht öffentliche Präsentationen zu erstellen ist im Normalfall kostenpflichtig, jedoch für Studenten oder Hochschulmitarbeiter kostenfrei. Hier kann man sich über die Leistungen und die Formalia informieren.

Wer Wert darauf legt, dass seine Präsentationen nicht öffentlich einsehbar sind und Sie trotzdem nicht in einem „PowerPoint“(ähnlichem) Layout präsentieren möchte hat natürlich die Möglichkeit sich die „Enjoy“ oder „Pro“ Version zu kaufen bzw. sich als Student gratis zu sichern.

Allerdings ist ja nicht jeder der Präsentationen für sich oder andere erstellen möchte Student oder Hochschulmitarbeiter bzw. kann oder möchte für die Zusatzfunktionen zum Schutz der Daten an „Prezi“ zahlen… Auch in diesem Fall gibt es Alternativen. Wer sich allerdings dazu entscheidet, muss sich damit abfinden, dass die Erstellung von solchen Präsentationen (zum jetztigen Zeitpunkt) deutlich mehr Arbeit fordern und weniger komfortabel von statten gehen, als es bei „Prezi“ der Fall ist.

Alternative zur Alternative: „Inkscape“ mit „Sozi“ Erweiterung

Inkscape

Inkscape“ ist ein Open Source Vektorgrafikeditor, der ähnlich wie bekannte kommerzielle Bildbearbeitungsprogramme (bspw. „Photoshop“ von „Adobe“) funktioniert. Eigentlich ist „Inkscape“ nicht darauf ausgerichtet Präsentationen zu erstellen sondern ist eher dazu gedacht technische Zeichnungen, Diagramme bishin zu künstlerischen Entwürfen zu entwickeln.

„Inkscape“ nutzt die SVG (Scalable Vector Graphics) Auszeichnugssprache, welche eine Erweiterung der XML Sprache (Extensible Markup Language) ist. Für User die sich nicht bereits mit Bildbearbeitungsprogrammen und/oder Programmiersprachen beschäftigt haben ist das Programm (aufgrund seiner Fülle von Möglichkeiten und wenig intuitiven Handhabung) schwierig zu bedienen und erfordert eine lange Einarbeitung. Ein gutes Einsteigertutorial findet sich hier. Fortgeschrittenere User benötigen vermutlich eine kürzere Eingewöhnungszeit.

Um eine Präsentation (ähnlich wie bei „Prezi“) gestalten zu können braucht der User neben „Inkscape“ noch ein Add-On zu diesem Programm. Dieses heißt „Sozi“ und ermöglicht, vereinfacht gesagt, dass der User auf seiner erstellten Grafik (bzw. Präsentation) frei und einfach navigieren kann. Ist der Nutzer geübt im Umgang mit „Inkscape“ dürfte ihm die Bedienung der „Sozi“erweiterung keine Probleme bereiten, da die Bedienung (im Vergleich) sehr intuitiv ist. Auch hierzu ein kleines Tutorial.

Da „Inkscape“ (im Gegensatz zu „Prezi“) nicht webbasiert ist werden die fertig gestellten Dateien auf der Festplatte gespeichert. Dies hat den Vorteil, dass der User selber über die Verwendung seiner Daten entscheiden kann und den Datenschutz sozusagen selber „in der Hand“ hat. Der Nachteil gegenüber „Prezi“ dabei ist (wie auch bei „PowerPoint“) das mehrere User nicht simultan an einer Präsentation, bzw. einer Datei arbeiten können.Durch den großen Mehraufwand (zumindest bei der Erstellung von Präsentationen) von „Incscape“ gegenüber „Prezi“ ist „Inkscape“ in diesem Falle eigentlich nur für User empfehlenswert, welche bereits einen großen Erfahrungschatz in Sachen Bildbearbeitung aufweisen können. Für alle anderen sollte die einfachere und nervenschonende (wenn auch gering kostenpflichtige) Alternative „Prezi“ wohl die erste Wahl sein.

 

Ein Gedanke zu „„Google“, „Prezi“ und Co. Alternativen zu „PowerPoint“

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