Der Raspberry Pi im Unterricht – Wie wir die Früchte unserer Zeit ernten können

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CC by 3.0 by darya

Längst ist die Debatte um den Einsatz digitaler Medien beim Lehren und Lernen in Schulen im Gange. Hier zerren medienpädagogische Fürsprachen und Kritiker in einem schier endlosen Kampf am jeweiligen Ende vom Medientau. Die Positionen sind klar: Während Kritiker vor den großen Gefahren von Medien für unseren gesellschaftlichen Nachwuchs warnen und bei dem Gedanken, die Art und Weise des institutionellen Lernens könnte sich (weiter) verändern, über ihren Köpfen reihenweise  die Hände zusammenschlagen, appelliert die Gegenseite immer wieder daran, die enormen Chancen eines mediengestützten Unterrichts respektive die Möglichkeiten durch einen gezielten Einsatz diverser digitaler Medien nicht unentdeckt zu lassen.
Aufschluss über die verschiedenen Positionen, Fragestellungen und Debatten zu diesem Themenblock geben mittlerweile eine Vielzahl an Publikationen. Exemplarisch sei an dieser Stelle etwa auf die Studie „Digitale Medien in der Schule“ und den Artikel „Pro & Contra: Das surfende Klassenzimmer“ verwiesen.

Das Projekt

Unter dem Motto „Erntezeit im Medienprojekt“ wagen wir uns in unserem Projekt zwischen die Fronten und balancieren leichtfüßig über das, zwischen diese Fronten, (an)gespannte Seil des digitalen Medieneinsatzes an Schulen. Die Projektgruppe besteht aus drei Studierenden (BA Erziehungswissenschaft) der Universität Duisburg-Essen: Melanie Gallinat, Darya Hayit, B.B.

Grundsätzlich: Digitale Medien sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Defizite beim Einsatz dieser Medien in Lehr- Lernarrangements sollten genauso thematisiert werden wie ihre Chancen und Möglichkeiten. Die Forderung lautet: Weg vom Grundsatzdisput ob Medien digitaler Art weiter Einzug in Schulen erhalten sollten und Hin(setzen) an einen runden Tisch zur gemeinsamen Entwicklung durchdachter Konzepte.

Mit den kritischen Stimmen im Hinterkopf und gleichzeitig einem nach vorne gerichteten Blick auf unsere kunterbunte Technikwelt, ist es unser Ziel, konkrete Lernszenarien für den Unterricht mit digitalen Medien zu entwickeln, bei denen die Früchte unserer Zeit nicht gedankenlos aus der Erde gerissen, sondern mit Bedacht und Plan eingesetzt werden, sodass selbst der größte Skeptiker am Ende voller Tatendrang die Schaufel in die Hand nehmen möchte.

„If you want someone to build a boat, awaken his desire for the ocean.“ (Antoine de Saint-Exupery)

Das gewählte Medium

Als Werkzeug konzentrieren wir uns in unserem Projekt auf einen der kleinsten Computer der Welt: Den Raspberry Pi der Raspberry Foundation.

Technische Daten im Überblick:

Raspberry Pi

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  • SoC Broadcom BCM2835 (CPU, GPU, DSP und SDRAM)
  • CPU: 700 MHz ARM1176JZF-S core (ARM11-Familie)
  • GPU: Broadcom VideoCore IV, OpenGL ES 2.0, 1080p30 h.264/MPEG-4 AVC High-Profile-Decoder
  • 512 MB SDRAM
  • Video outputs: Composite RCA, HDMI
  • Audio outputs: 3.5 mm Audiobuchse, HDMI
  • Unterstützte Speicherkarten: SD, MMC, SDIO-kompatible-Steckplätze
  • 10/100-MBit-Ethernet RJ45
  • 2 x USB 2.0
  • microUSB Port zur Stromversorgung
  • Abmessungen: 85,6 x 53,98 x 17 mm

 

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 Die Vorteile liegen auf der Hand

– geringe Anschaffungskosten (im Durchschnitt 38 Euro)

– geringe Größe

– hohe Mobilität

– flexible Einsatzmöglichkeiten

– Wifi kompatibel (Kauf eines Wifi USB Dongle notwendig)

 

Man darf gespannt sein…

Im weiteren Verlauf des Projektes werden konkrete Lernszenarien entworfen und nach Möglichkeit in der Praxis durchgeführt. Interessierte pädagogische und wissenschaftliche Mitarbeitende, Schülerinnen und Schüler und natürlich auch Privatpersonen dürfen gespannt sein auf Blogeinträge zu ausgewählten Szenarien, die als Anregung für die eigene Planung und Gestaltung von Unterrichtseinheiten dienen können.

 

Interesse geweckt?

Mein Artikel „Vom Rohdiamanten zum geschliffenen Edelstahl“ bietet Interessierten eine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Inbetriebnahme des Raspberry Pi.

7 Gedanken zu „Der Raspberry Pi im Unterricht – Wie wir die Früchte unserer Zeit ernten können

  1. Tobias Hübner

    Bin gespannt, welche konkreten Lernszenarien aus dem Projekt entspringen werden. Ich hoffe der Anfangs-Enthusiamsmus und der Wille, „die Schaufel in die Hand zu nehmen“ bleiben noch lange Zeit erhalten.

    Ob der Raspberry Pi jedoch das richtige Werkzeug ist, um die genannten hehren Ziele zu erreiche, scheint mir fraglich. Meint ihr, dass der Pi es jemals in den Regelunterricht schaffen wird? Dafür scheinen mir Geräte wie das iPad weitaus geeigneter.

    Mit dem Pi kann man m. E. sehr gut entdecken, wie ein Computer funktioniert und wie man ihn programmiert. Das ist allerdings eine Nische für technikbegeisterte Lehrerinnen und Lehrer. 99,9% aller nicht Informatik-Lehrkräfte werden von dieser Platine wohl leider eher abgeschreckt sein.

    Einige Angaben in dem Artikel finde ich übrigen etwas irreführend. Der Pi ist nicht der kleinste Computer der Welt und „Hohe Mobilität“ gilt nur für die Platine. Will man das Gerät wirklich einsetzen, braucht man Monitor, Tastatur, Maus und einige Kabel. In Sachen Mobilität sind Smartphones, Tablets und Laptops dem Pi also weit überlegen.

    Freue mich auf weitere Einträge und neue Ideen – viel Erfolg bei dem Projekt! Am 15. Juni findet übrigens in Trier ein Raspberry Pi Jam statt. Vielleicht sieht man sich da ja 🙂

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  2. darya Beitragsautor

    Guten Abend!

    So schnell fällt uns bestimmt nicht die Schaufel aus der Hand – „Digging holes builds characters“, oder wie war das? 😉

    Großflächig dafür zu sorgen, dass der Pi im Regelunterricht seinen Platz findet ist mit Sicherheit eher schwierig als „mal so eben“ in diesem Projektrahmen realisierbar. Zumal das Projekt noch in den Kinderschuhen steckt und ich daher mit Prognosen der Wirkungswelle noch zur Zurückhaltung neige.
    Dennoch: Die Potenziale als einer der kleinsten Computer (es liest sich schnell falsch, aber der Beitrag spricht nicht von „dem“ kleinsten Computer der Welt) sehen wir durchaus. Auch die Mobilität ist hier meines Erachtens durchaus ein Pluspunkt, wobei das auf iPads u.a. natürlich nicht weniger zutrifft, zumal dann keine weiteren Utensilien benötigt werden. Aber „nur eine Maus, eine Tastatur und ein paar Kabel“ sind immer noch problemloser zu bewältigen als einen ganzen Tower durch die Gegend zu buxieren. Der Raspberry Pi ist keine technische Neuheit, das steht fest. In dieses Licht wollen wir ihn gar nicht rücken. Er ist eine unglaublich kostengünstige Alternative und der Posten „Ausgaben“ ist auch im Schulwesen immer wieder ein großes K.O.-Kriterium dafür, dass Qualität nicht stattfinden kann.

    Unser Fokus liegt auf kooperativen Lernsituationen. Durch den Einsatz des Raspberry Pi, soll die Partizipation am Unterricht und das gemeinsame Arbeiten der Schülerinnen und Schüler gefördert werden. Ich würde am liebsten direkt ein Beispiel nennen, aber der Schuh ist noch nicht Gehbereit und ein löchriger Schuh kann keinem Gegensturm standhalten.

    „Mit dem Pi kann man m. E. sehr gut entdecken, wie ein Computer funktioniert und wie man ihn programmiert. Das ist allerdings eine Nische für technikbegeisterte Lehrerinnen und Lehrer. 99,9% aller nicht Informatik-Lehrkräfte werden von dieser Platine wohl leider eher abgeschreckt sein.“

    Dafür wurde er ursprünglich entwickelt und das funktioniert, auch meiner Meinung nach, sehr gut damit. Aber auch der Nische muss ich zustimmen. Daher setzen wir ihn „nur“ als Medium ein, als eine weitere Variante, die in der Generation Ipad & co, einer Generation „Weg vom Computer als einziges Medium“, ich würde mal behaupten so bekannt ist wie der Name des Präsidenten von Uruguay ;-).
    Und insbesondere der abschreckenden Wirkung bei Anblick des kleinen „Technikknäuls“, soll durch klare und vereinfachende Sprache und Erläuterungen entgegengewirkt werden, sodass auch Digital Immigrants ein annehmbares Himbeerkuchenrezept zur Verfügung steht. Ich selbst bin in jedem Fall auch sehr gespannt, welches Fazit am Ende des Projektes gezogen wird.

    Die Jam-Session klingt sehr interessant, habe mal recherchiert. Leider ist die Zeit – wie so oft – vermutlich das K.O.-Kriterium. Mal sehen, ob sich da noch was machen lässt. In jedem Fall wünsche ich für den Tag eine fruchtende Veranstaltung 🙂

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  3. Tobias Hübner

    Danke für die ausführliche Antwort – ich muss sagen, dass ich sehr gespannt auf erste Ergebnisse bin. Kann man diesen Blog eigentlich irgendwie abonnieren, damit man über neue Posts per Mail benachrichtigt wird?

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  4. darya Beitragsautor

    Gerne! Ich werde nachforschen, ob das Abbonnieren möglich ist, ansonsten informiere ich Sie aber gerne auch manuell via Mail sobald weitere Schritte dokumentiert wurden.

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  5. Pingback: Informatik-Fundstück: Rasperry Pi | Medien im Mathe-, Informatik und Sportunterricht

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