Digitalcourage – mehr als einfach nur Datenschutz

1987 gegründet, mit 1984 und der für dieses Jahr geplanten und vom Bundesverfassungsgericht verhinderten Volkszählung im Hinterkopf

Damals noch als FoeBuD e.V, bewusst nicht als „CCC“, um sich nicht mit den fremden Federn des BTX-Hack zu schmücken.

Die Bundespost war damals der sehr restriktiven Behandlung von Netzkommunikation erklärte Gegner. In Anspielung an die obskuren Post-Vokabeln wählte sich der Verein den Namen „Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs“. Der funktionierte in der Öffentlichkeitsarbeit nur mäßig. Der neue Name „Digitalcourage“ sol (anders als der Name „Digitale Gesellschaft“) den Veränderungswillen ausdrücken.

Die Besucherinnen der ersten Ausstellungen in Bielefeld ließen spüren, wie viel Energie und Potenzial in den damals neuen Technologien steckt. Aus dieser Begeisterung erwuchs der Name „Public Domain“ als Name für eine längere Veranstaltungsreihe. Im Verlauf der Public Domain entsand die Idee, ein eigenes Kommunikationssystem aufzubauen – die Zerberus-Box BIONIC. Schon früh sorgen die Betreiberinnen der Box dafür, dass Nachrichten für die Administratorinnen nicht lesbar verschlüsselt wurden. Einige Admins beschwerten sich über diese Verschlüsselung, was Gelegenheit gab, diesen Datenschutzaspekt zu thematisieren und zu diskutieren. Verschlüsselung war die Voreinstellung, die bewusst aufgehoben werden musste.

Während des Jugoslavienkriegs 1990 sorgte die BIONIC dafür, die (Modem-)Kommunikation innerhalb des Landes aufrechtzuerhalten oder wieder herzustellen. Der telefonnetzbasierte Betrieb dieses Netzes führte zu Telefonrechnungen im hohen vierstelligen Bereich. Neben Spenden sorgte der Vertrieb des PGP-Handbuchs zur Finanzierung dieser Kosten. Im belagerten Sarajevo sorgte ein Team von etwa 6 Menschen dafür, 5000 Menschen miteinander kommunizieren zu lassen. Es gab sogar einen Tourist Guide für die belagerte Stadt. Der FoeBuD hatte zu diesem Zeitpunk etwa 60 Mitglieder. Bis 2006 hat der Verein komplett ehrenamtlich gearbeitet. Danach gab es Fördergelder durch die Bewegungsstiftung, die auch Wert darauf legte, dass der Verein sich selbst finanziert. Derzeit hat Digitalcourage etwa 2.500 Mitglieder, möchte aber gern noch mehr. Der Verein ist gemeinnützig.

Digital kümmert sich um Aufklärung und Information. Aufklärung über Verbraucherrechte. Veranstaltet Cryptoparties, dort „Digitale Selbstverteidigung“ genannt und gibt auf der Webseite Tipps.

Richtet die Big Brother Awards aus und recherchiert intensiv für die Preisvergabe.

Advocacy – „Lobbyarbeit“, reden mit Politikerinnen, um damit ein Gegengewicht zur Industrielobby zu bilden, die von „Datenreichtum“ spricht, wenn sie vom gläsernen Menschen spricht.

Tipp: Schreibt den Medien nicht nur, um euch zu beschweren, sondern auch für Lob. Das hilft vor allem freiberuflichen Journalistinnen, die sich etwas trauen.

Digitalcourage organisiert Demonstrationen wie die „Freiheit statt Angst“ oder öffentlichkeitswirksame Aktionen, beispielsweise vor dem Bundestag.

Mit dem Aufkommen der Internet-Gratiskultur wurde es auch für Digitalcourage schwerer, zu erklären, warum gute Leistungen Geld zu verlagen.

Seit dem Jahr 2000 wird (mit einer Ausnahme, als der Termin vom Herbst aus Frühjahr verlegt wurde) jährlich der Big Brother Award verliehen. In der Jury des BBA sitzen unter anderem Thilo Weichert und der Arbeitsrechlter Peter Wedde. Auf der Glasscheibe hinter der Statue steht ein Auszug aus Huxleys „Brave New World“, in der eine Schlafschule beschrieben wird. In der Schlafschule haben die Kinder Lautsprecher unter den Kopfkissen liegen, die erzählen, wie gut es ist, zur jeweiligen Kaste zu gehören. Inzwischen finden die BBA im Bielefelder Stadttheater statt. Gössner wird seit 40 Jahren beobachtet. Der Verfassungsschutz weigert sich mit Hinweis auf das angeblich noch laufende Verfahren, die Akten vollständig auszuhändigen. Gössner wird eine „Kontaktschuld“ vorgeworfen, weil er als Strafverteidiger Kontakt zu Straftätern hatte. Ab und zu kommt sogar ein Preisträger vorbei, um sich den Preis abzuholen, so zum Beispiel im Jahr 2003 der DSB von Microsoft und der DSB der Deutschen Telekom (die herausfinden wolle, wer von ihren Aufsichtsräten mit der Presse spricht und deswegen deren Verbindungsdaten untersuchte). Die Telekom hat DC in der Folge mit der Gelobung auf Besserung eine größere Geldspende zukommen lassen. Die DPAG und Ditib haben zu drohen versucht, Tchibo verwies in einer sehr kurzen Mail darauf, ihr Vorgehen sei legal und werde fortgesetzt. Bayer hat den Preis (für „freiwillige“ Drogentests bei den Angestellten)s bei der Hauptversammlung verliehen bekommen. Die Kritischen Aktionäre hatten hierzu DC Aktien übertragen und damit Rederecht bekommen. Einem Aktionär, der bei der Eingangskontrolle mit einem Flugblatt von DC erwischt wurde, wurde der Zutritt zum Gelände verwehrt.

Erfolge von Digitalcourage:

  • Einige Gesetze gekippt
  • Payback-Karte: Den Rabatt zahlen indirekt alle Kundinnen. Konsumverhalten lässt umfangreiche Profilbildung zu – ob diese Profile stimmen, ist nicht gesichert. Scheinbar harmlose Daten müssen nicht harmlos bleiben, Beispiel Rindfleischkauf in den 90ern, was später Kreutzfeld-Jacob-Gefahr bedeuten könnte. Digitalcourage  entwarf daraufhin die Privacy-Card, bei der zweitausendmal die gleiche Payback-Kennung verwendet und damit ein komplett unsinniges Profil erzeugt wurde. Als das publik wurde, kündigte Payback die Karte. Die Firma befand sich daraufhin in einem Dilemma: Untersagen sie es und geben damit zu, dass es ihnen nur um die Daten geht oder lassen sie es zähneknirschend zu. Payback wurde später von American Express gekauft, die allerdings die so übertragenen Daten nicht ganz DSGVO-konform verarbeitet hat und seitdem Werbepost an „Ev Foebud“ schickt.
  • Future Store der Metro AG (RFID). Bei Metro hatte jedes Exemplar eines Produkts eine eindeutige RFID-Kennung. Szenario: Jemand verschenkt beim Martinssingen Süßigkeiten, deren Verpackung die Kinder unachtsam wegwerfen, was zu einer Anzeige wegen Umweltverschmutzung führt. Die Payback-Karten bei Metro hatten ebenfalls einen RFID-Chip. Metro versuchte sich damit herauszureden, am DVD-Regal hätte sich ein entsprechender Hinweis befunden. Metro zog daraufhin die RFID-Karten zurück. Metro hat versucht, eine WDR-Journalistin, die bei einer Demonstration auf einem Foto zu zu sehen war, als „FoeBuD-U-Boot“ beim Sender zu diskreditieren, was allerdings scheiterte
  • Peuterey verbaute im Jahr 2011 RFID-Chips in Kleidung. Diese Chips waren über 8 Meter auslesbar, unter Laborbedingungen 12 Meter. Die Chips werden an der Kasse nicht deaktiviert, es wird nur die ID als „verkauft“ gemeldet. Laut Spezifikation halte dreimal chemisch waschen aus.
  • Verfassungsbeschwerde mit 35.000 Unterschriften gegen die Vorratsdatenspeicherung. Eingereicht 2008, für nichtig befunden 2010. Der Bundestag hat 2016 ein neues VDS-Gesetz beschlossen und dessen Rechtskonformität damit begründet, dass Mails ausgeschlossen sind.
  • Verfassungsbeschwerde gegen ELENA. Das Gesetz wurde vor Verhandlung in Karlsruhe zurückgezogen.
  • Meldegesetz

 

Arbeit für die Bewegung: Großdemonstrationen, Aktivkongress, früher in Hattingen , inzwischen im Bunten Haus in Bielefeld

Bürokratie hat etwas Positives, weil sie übereilte und willkürliche Entscheidungen erschwert.

Timothy Snyder: Über Tyrannei
Jan Ross: Die neuen Staatsfeinde – Welchen Staat wollen Schröder, Westerwelle Henkel und Co?

Autor: jochim

Chaos Computer Club, Cryptoparty, Datenschutz

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