Big Brother is watching you

von Ingrid Dolensky, Seminarteilnehmerin

Das war für mich lange Zeit ein etwas alter Satz.
Das erste Mal hörte ich ihn in der Schule im Pausenhof,
bezeichnenderweise nicht im Unterricht!

Da in unserem Jahrgang die letzten zwei Schuljahre Englisch erst zum Pflichtfach wurde,
verstanden ihn wohl die wenigsten Schüler richtig.

Ich fragte zu Hause nach.
Aber außer einem Geraunze,
was ich schon wieder hätte und was das sollte!
Ich würde ja nicht mal dazu kommen, meinen Groschenroman zu lesen
und erst recht nicht diesen Orwell oder wie das Ding heißt.

Dann hörte ich jahrelang nichts mehr von diesem Buch.
In der Gewerkschaft wurde noch um Arbeitszeitverkürzung,
bessere Löhne und um Arbeitsbedingungen gekämpft.

Da hörte ich auch noch nichts über das Problem Überwachung.
Bis mir dann mal das Buch 1984 von George Orwell über den Weg lief.
Ich glaubte nicht mal im Traum daran,
dass es noch schlimmer kommen könnte als in diesem Buch.

Eigentlich erst beim NSA-Skandal befasste ich mich wieder mit diesem Thema.

Dabei wurde mir erst wirklich bewusst,
dass ich mich ja selbst der totalen Überwachung preisgab.
Ich hatte viele schöne bunte Kundenkarten
und bezahlte viel mit der EC-Karte.

Außerdem füllte ich Gott weiß wie viele Fragebögen aus.
Für was eigentlich, weiß ich nicht mehr.
Ehrlich!
Und natürlich machte ich jede menge Preisausschreiben,
bei denen man Einhundert Euro gewinnen konnte,
wenn man für Fünfzig Cent anrief.
Gewinnchance: Eins zu Zwanzigtausend!
Nachdem in meinem Bekanntenkreis größere Diskussionen darüber geführt wurden,
ob Snowden zu Recht oder zu Unrecht sein Wissen preisgegeben hätte,
wurde ich richtig wütend auf meine Freunde.
Es kam immer wieder der saudumme Satz
„Ich hab doch nichts zu verbergen!“
Das reichte mir dann!
Allerdings hatte ich auch nie fundierte und schlagkräftige Argumente parat.
Die kann ich nach diesem Seminar hoffentlich mit nach Hause nehmen
und damit meine Aufklärungsarbeit verstärkt wieder aufnehmen.

Ingrid Dolensky aus dem Seminar. Kleine Änderungen: Bruno Schollenbruch
22.8.18

Autor: jochim

Chaos Computer Club, Cryptoparty, Datenschutz

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