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Helden, celebrities und Dr. phil. GOOGLE

„Du bist mein Held“, seufze ich liebevoll, als mein Mann für uns den letzten freien Tisch im Biergarten ergattert.
„Ihr seid oder wart unsere Helden“, sagt die Helden-Ausstellung in der Henrichshütte in Hattingen, während sie die spannenden Fragen dezent ignoriert. Wer hier als Held präsentiert wird, könnte manchmal schlicht als sogenannte celebrity bezeichnet werden. Oder ist es etwa umgekehrt – sind die celebrities, die Berühmtheiten die wahren Helden von heute und sind Gerichtsshows und Dschungelcamp die Orte wo Helden geboren werden, also echtes Olympia und Schlachtfeld in einem?

Mit solchen Gedanken kann ich mir gut die Zeit vertreiben, ohne im Kopf allerdings auch nur ein bisschen weiter zu kommen. Während ich also noch auf den kunstwissenschaftlichen oder ideologiekritischen Beitrag zum „Making of“ von Helden warte, der mich aufgeklärter durch die Welt gehen lassen wird, gebe ich einige persönliche Hinweise zum Weiterdenken an Helden-Lücken:

Männerliebe, Familienehre und Tyrannenmord

Im ersten Raum der Helden-Ausstellung steht die „Gruppe der Tyrannenmörder“, genauer gesagt, die beiden Statuen der befreundeten Männer Harmodios und Aristogeiton (hier geht’s zum Bild). Es wird zwar darauf hingewiesen, dass dem versuchten Tyrannenmord eine Liebesgeschichte vorausgeht, detaillierter wird es in der Henrichshütte jedoch nicht.

Auf der Hellenica-Website findet sich die Geschichte: Es lebten einst die Tyrannenbrüder Hipparch und Hippias und die beiden Freude Harmodios und Aristogeiton (nach Wikipedia waren sie ein selbst ein Liebespaar). Hipparch war sexuell interessiert an Harmodios, der widersetzte sich, woraufhin sich der Tyrann rächte und der Schwester von Harmodios verbot, bei einer Prozession als KORBTRÄGERIN mitzugehen. Es war diese Kränkung der Familienehre, die die beiden Freunde zum Tyrannenmord motivierte.
Wie, wann und von wem die Tat der beiden Freunde stilisiert wurde zur „Geburtsstunde der attischen Demokratie“ (s. auch Wikipedia-Stichwort „Demokratie“) – das erfahren wir nicht, ebenso wenig wie die Meinung der Schwester, die vielleicht ein ruhiges Leben ohne Korbtragen besser gefunden hätte ohne das selbstmörderische Attentat ihres Bruders.

Heldinnen am Beispiel Krieg
Die Heldinnen sind auch so ein Thema, dass mir zu kurz kam in der LWL-Ausstellung. Hier empfehle ich, sich die eigene Ausstellung bei Google zu organisieren.
Anleitung:
a) Öffnet in eurem Browser mehrere Tabs.
b) Gebt in jedem Tab die deutschen, englischen oder russischen Stichworte, die in der nachfolgenden Liste in einer Zeile stehen, in das Google-Suchfeld ein. Auf der Google-Startseite clickt ihr oben auf „Bilder“ und sucht.
c) Jetzt könnt ihr durch das Wechseln zwischen den Tabs einen ersten Eindruck in den Blick auf die Heldinnen in den verschiedenen Sprachräumen gewinnen und euch

Die Stichwort-Liste:
Heldin Krieg, heroine war, героиня война
Heldin des Krieges, heroine of war, героиня войны

Und nun viel Spaß!

68, RAF, heimliche Freude und Heldendiskussionen

Gab es Helden der Studentenbewegung? Vertragen sich antiautoritäre Bewegung und Heldenverehrung? Darf man die RAF im Kontext einer Helden-Ausstellung diskutieren? Hier zeigt die Ausstellung große Löcher, vielleicht deshalb, weil diese Diskussion heute in der deutschen Gesellschaft noch immer weh tut. Zu RAF und Heldentum habe ich erneut Google bemüht. Wie sich zeigt, ist die Diskussion noch aktuell, deshalb hebe ich das Ergebnis als Screenshot ins Bild.
Screenshot der Abfrage zu „RAF“ und „Helden“


Categorised as: Allgemein


One Comment

  1. Diesen Beitrag finde ich sehr interessant. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir keine Helden brauchen, sondern Menschen mit Zivilcourage (vgl.die Aussage von Franca Magnani dazu). Die als Helden herausgehobenen Personen haben viel zu oft Verbrechen begangen, nicht nur die RAF Mitglieder.

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