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H E L D E N : ein Weltthema- und mehr noch ein deutsches?

In Hattingen wird in der Henrichshütte anläßlich des Projektes „Ruhr 2010“ eine „kostbare, außergewöhnliche, vielschichtige…sehr gute Ausstellung“(Ausstellungsankündigung des Kurators Lars von der Gönna) gezeigt.
Da ergibt sich die Frage:“ Was sind Helden?“
In Wikipedia finden sich unter dem Begriff „Held“ folgende Aussagen:

„Ein Held(…)ist eine Person mit besonders herausragenden Fähigkeiten oder Eigenschaften, die sie zu besonders hervorragenden Leistungen, sog.Heldentaten, treibt….Seine ..(…)Fähigkeiten können von körperlicher Art(…)oder geistiger Natur sein(…).
Helden stehen meist in einem Gegensatz zum Schurken oder Feigling(Hervorhebung von mir RW).
…Nicht selten können auch historische Personen so viel Ansehen erzielen, dass sie als Held bezeichnet werden, vgl.Volksheld, Nationalheld. Dieses Phänomen war und ist häufig begleitet von einem schnellen Wachstum von Mythen um die Person…
Der Held kann als Muster obsolet werden, wenn…heldische Eigenschaften mit Misstrauen rechnen müssen und wenn er als Attribut an Personen vergeben wird, die sich durch ursprünglich unheldische Eigenschaften auszeichnen…
Dies kann so ausufern, dass die Zuschreibung, ein Held zu sein…Achselzucken oder Spott auslöst.
Hingegen war der Begriff des „Helden“zumindest in den Bundesrepubliken Deutschland und Österreich seit dem verlorenen Zweiten Weltkrieg lange Zeit aus der Mode gekommen, weil allzu vielen-…Untätern der Status des „Kriegshelden“und dann der „Heldentod“zugesprochen worden war…
Soziologen sehen in Zeiten sozialer Umwälzungen (..) oder nationaler Krisen ein starkes Bedürfnis nach Helden voraus…Ob Abhilfe gelingt oder nicht, hängt jedoch nicht von der“Echtheit“eines Helden…ab, sondern auch von der Art der Probleme.“(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Held)

Unter diesen Gesichtspunkten kann und sollte die Sonder-Ausstellung
HELDEN-Von der Sehnsucht nach dem Besonderen , die vom „Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Zusammenarbeit mit der Kulturhauptstadt Europas Ruhr 2010“ gezeigt wird, auch angesehen werden.
Das Heldenpanorama reicht von der Antike bis zur Gegenwart, von Rom bis ins Revier und enthält 850 Esponate.
Gezeigt wird Herakles als Held, ein Räuber, Vergewaltiger, Mörder. Das wird laut Ausstellungsankündigung nicht, als Grund angesehen, sich aufzuregen, da es ein Kavaliersdelikt sei.
Auch die anderen als Helden vorgestellten Personen werden als moralisch kurvenreich bezeichnet.
Das heißt, von Ausnahmen abgesehen, werden hier Leitbilder(i.S.von Helden) vorgegeben, deren Leben und Taten, so wie sie überliefert wurden, im Sinn einer notwendigen Demokratisierung der bundesrepublikanischen Gesellschaft abgelehnt werden müssen.Die Würdigung in der Ausstellung, die als“kostbar“ und „sehr gut“ von den Ausstellungsmachern bezeichnet wird,widerspricht diesem Anliegen.
Wirkliche „Helden“ sind „Helden des Alltags“, zumeist sehr wenig bekannt.
Sie arbeiten in den Slums von Kalkutta oder anderswo. Sie sorgen für Trinkwasser, bauen Abwasseranlagen, bauen Schulen, kümmern sich um die Ernährung und medizinische Versorgung von Kindern und Erwachsenen.
In Deutschland beispielsweise kümmern sie sich um die Versorgung armer und ärmster Menschen, indem sie „Tafeln“betreiben, Nahrungsmittel einsammeln und verteilen, nachts Obdachlose aufsuchen und ihnen medizinische Versorgung anbieten.
Sie setzen sich für psychisch Kranke ein, wehren sich gegen Zwangspsychiatrisierung, diese wichtigen „Heldentaten“ werden in der Ausstellung aber nur am Rand(Alibifunktion) gewürdigt
Und ein Aspekt scheint in dieser Ausstellung überwiegend vernachlässigt, nicht bedacht (oder steckt sogar Absicht dahinter?) zu werden, dass es überwiegend Heldinnen sind, die im Alltag die Fehler und Vergehen der sogen.männlichen Helden (z.B.Politiker der Bundesrepublik)versuchen auszugleichen.

FAZIT:

Die Ausstellungsmacher haben die möglichen Auswirkungen dieser Ausstellung nicht bedacht (oder steckt sogar Absicht dahinter ?), dass es überwiegend Heldinnen sind, die im Alltag die Fehler und Vergehen der sogen.männlichen Helde n versuchen auszugleichen.
Es ist politisch falsch in Zeiten gesellschaftlicher Krisen mit Arbeitslosigkeit, Verarmung großer Teile der Gesellschaft(Agenda 2010, Hartz IV verursacht durch politische „Helden“)und daraus hervorgehender Orientierungslosigkeit Heldentum zu reaktivieren, „Führer“ vorzustellen, die als kriminell zu bezeichnende Machenschaften ausgeführt,haben um ihre Interessen durchzusetzen. Solches „Heldentum“ ist nicht zu akzeptieren und zu bewundern, sondern abzulehnen.
Insofern: „Wem nützt die Ausstellung?“ „Was war das erkenntnisleitende Interesse“? „Wer hat daran verdient?“ – „Und gab es niemand, der das Vorhaben kritisch hinterfragt hat“?


Categorised as: Helden, Ruhr2010


2 Comments

  1. Barbara sagt:

    Hallo Renate, gut, dass Du hinterfragst und wahrscheinlich auch andere. Ich bin der Meinung, dass auch diese wie beschrieben konzipierte Ausstellung ihre Berechtigung hat. Denn wo ist schon mal Gelegenheit, „Helden“ als Begriff in diesem Umfang zu hinterfragen. Es wäre doch spannend, wie dieses Thema z.B. in Schulklassen nach Besuch der Ausstellung diskutiert wird. B.

    • Hallo Barbara, danke für den Kommentar. Aus langer Unterrichtserfahrung in der Mittel-und Oberstufe weiß ich, dass für die notwendige Vor-und Nachbereitung einer solchen Ausstellung im Unterrichtsalltag keine Zeit zur Verfügung steht. Sozialwissenschaftliche Fächer (polit.Bildung/Gemeinschaftskunde, Geschichte, Geografie, Ethik, Werte und Normen usw,) werden in den Stundenplänen gekürzt, da kaum eine Schule noch über die notwendige Versorgung mit LehrerInnenstunden verfügt, selbst Lateinklassen haben keine Zeit, sich mit so etwas zu befassen.-Und in Zeiten von G8 (Abitur nach 12 Jahren) werden die naturwissenschaftlichen Fächer, Englisch usw.stark in den Vordergrund gestellt, wobei auch Kunst und Musik gekürzt werden.
      Auch mit einer notwendigen „Allgemeinbildung“ durch die Eltern/Großeltern kann kaum noch gerechnet werden.
      Ich halte die Ausstellung für den Ausdruck des rechten „roll-back“der zunehmend in der Gesellschaft Boden gewinnt.
      Ich hätte niemals diese Ausstellung mit einer Schulklasse besucht, da mir schon in der „Vorbesichtigung“ klar gewesen wäre, dass sie kontraproduktiv für eine demokratische Erziehung ist.
      Eine Erziehung zur Zivilcourage ist das Gebot der Gegenwart und nicht das Vorführen rückwärtsgewandten Heldentums.
      Renate
      .

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